Von Roboter-Drohnen und digitaler Kunst
Gestern waren Clara und ich in dem Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur. Leider baut dieses bald ein halbes Jahr um, weßhalb nur ein paar Installationen zu bewundern sind. Darunter zählt „Echo“, eine Raumkonzeption von Nik Nowak, welche (verdient) den GASAG Kunstpreis 2014 gewann.
„Sie thematisiert die neu entstehenden Formen des Privaten und Öffentlichen in Zeiten allgegenwärtiger digitaler Vernetzung. Durch den künstlerischen Einsatz autonomer Roboter-Drohnen stellen sich zugleich Fragen nach der sozialen Beziehung von Mensch und Maschine, sowie nach Konsequenzen alltäglicher und militärischer Anwendung neuer Technologien.“
Es war wirklich beeindruckend, als wir den großen länglichen Raum der Installation betraten. Als aller erstes konnte man eine riesige Lautsprecher-Wand bewundern, welche aufgenommene Töne der Roboter-Drohnen wiedergibt. Gleich danach fanden sich auch die besagten Maschinen. „Drohne 1 peilt mit einem Mikrofon den Kopf der Besucher an und leitet deren Geräusche und Stimmen über einen Richtungslautsprecher direkt an sie zurück. Es entsteht ein künstlerisches Echo, das nur für den jeweils angepeilten Besucher hörbar ist“.
Drohne 2 funktioniert auf ganz ähnliche Art. Sie überträgt den aufgenommenen Ton jedoch (für alle hörbar) auf eine weitere Soundinstallation hinten im Raum. Es entsteht ebenfalls ein Echo. Ein sehr interessanter Fakt über die Drohnen ist, dass deren Fahrwerke (im Maßstab von 1:6) dem der US-amerikanischen Soundpanzer Sonic M10 entsprechen. Während des zweiten Weltkrieges, im Zuge der psychologischen Kriegsführung sollte dieser den Gegner mithilfe verschiedenartiger Geräusche (z.B. Motorengeräusche) irritieren. Das Ganze funktionierte mit Lautsprechern, welche anstelle von Kanonen montiert wurden. Das sich im hinteren Teil befindende zweite Soundsystem greift beim Design sowohl auf die Warenwelt industrieller Produktion, als auch auf die Ästhetik von Science-Fiction-Filme der 1970er und 80er zurück.
Das Soundsystem ist in eine Metallkonstruktion gehängt, die wiederum an militärische Sendemasten erinnert. Außerdem ist es an einen sechseckigen Raumkörper gekoppelt, in dessen Inneren sich eine nach oben hin offene quadratische Kammer befindet. Ausgekleidet ist diese mit Akustikschaumstoff. Als wir diese betreten haben, hat sich sofort eine neue Geräuschkulisse eingestellt. Nun hörten wir nicht mehr die Echo-Drohnen, sondern nur uns. Außerdem findet sich in diesem Raum ein Schild an der Wand mit der Aufschrift „DELETHE“ - eine Wortkombination aus „delete“ (engl. Löschen) und Lethe, dem Fluss des Vergessens in der griechischen Mythologie. „Nik Nowak greift damit ein Problem auf, das durch unsere virtuelle Existenz etnsteht: Jegliche Aktivität im Netz hinterlässt Spuren, die als digitales Echo über unseren physischen Tod hinaus im Netz bestehen bleiben.“. Das gleichnamige Projekt, welches damit aufgegriffen wurde, bietet Besuchern der Website delethe.com die Möglichkeit, sich mit einer Anwaltskanzlei in Verbindung zu setzen, um „testamentarisch verfügen zu lassen, dass der Nachlass des digitalen Selbst gelöscht wird.“. Das letzte Element der Installation ist eine Kopie des Gemäldes „Echo“ von Alexandre Cabanel von 1874. Das Motiv greift die mythologische Erzählung der Nymphe Echo auf. „Nick Nowak hatte das Ölgemälde im Internet bei einem chinesischen Kopierservice in Auftrag gegeben. Anhand einer frei im Netz verfügbaren Bilddatei, die bereits selbst eine Kopie des Orignals darstellt, wurde das Motiv auf die Leinwand übertragen. Der Mythos der Nymphe Echo hallt dabei als digitales Echo im virtuellen Raum nach, um schließlich als bizarre Kopie der Kopie wiederum im realen Raum in Erscheinung zu treten.“
Liebe Grüße
Leandra
Ein Video dazu folgt innerhalb der nächsten Tage.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen