Conchita Wurst - ein ungerechtfertigter Sieg?
Nach Conchita Wursts Gewinn beim ESC 2014 kursieren im Internet lauter Karikaturen und Parodien zu ihrer Person. Zuzüglich wird meist diskutiert, ob ihr Sieg überhaupt gerechtfertigt sei. Sie habe ja eh nur durch ihr Aussehen gewonnen und durch den Medienrummel, der um ihre Person entstand. Singen könne sie ja gar nicht. Ich habe mich mit dieser These näher beschäftigt und euch ein paar Fragen dazu gestellt. Ziemlich deutlich kam dabei heraus, dass sie eurer Meinung nach definitiv gerechtfertigt gewonnen hat. Egal, ob durch ihr Talent oder doch durch ihre Persönlichkeit bzw. den Medienrummel. Julia von „Julias Bücherblog“ erklärt dazu:
„(...)Letztlich geht es ja auch darum, ein Medienecho zu erzeugen und aus der Masse der Teilnehmer herauszustechen. Etwas überspitzt ausgedrückt: der grösste Clown bekommt am meisten Aufmerksamkeit. Früher hat man exotische Menschen im Zoo bestaunt, heute ist's eben eine Bühne. Wenn das dann mit einer qualitativ guten Leistung zusammenfällt, steigert es entsprechend die Chancen (so ganz neu ist das Phänomen ja nicht: der Sieg von Lordi 2006 ist für mich dieselbe Kombination aus ordentlicher Qualität und Andersartigkeit).“
Ich wollte es nicht nur dabei belassen und habe Conchita Wursts Auftritt auf die Diskriminierung und Intoleranz in Europa bezogen. Schließlich wurde Conchita allgemein für ihren Mut trotz ihrer „Andersartigkeit“ dort aufzutreten, bewundert. Und wenn wir nun davon ausgehen würden, dass sich so einen Auftritt nicht jeder „Andersartige“ trauen würde, ist es doch ein indirekter Beweis dafür, dass solche Menschen im Alltag diskriminiert werden. Auch hier liefert uns Julia eine direkte Antwort:
„(...)Mal ganz grundsätzlich: Diskriminierung und Angst vor Diskriminierung sind zwei unterschiedliche Dinge. Ich will nicht verneinen, dass es beides gibt, aber nicht jede Angst ist begründet, und umgekehrt ist demonstrativer "Mut" nicht unbedingt ein Indikator für die realen Verhältnisse.“
Verständlich. Aber kann man wirklich keinen Bezug herstellen? Evanesca antwortet auf die Frage, ob Conchita mutig war und wenn ja, ob Diskriminierung also immer noch ein wesentlicher Bestandteil unserer Gesellschaft ist:
„Ich finde sie sogar sehr mutig - gerade angesichts der Homosexuellen-Gesetze in Russland und teilweise sehr intoleranten Splittergruppen ist Diskriminierung noch ein Thema. Ich habe mich über die Kunstfigur Conchita Wurst informiert - Thomas Neuwirth schuf mit Absicht die wunderschöne Frau mit Bart, um aufzuregen, aufzuwühlen, Probleme aufzuzeigen. Das war sehr mutig und es gab teilweise unfassbar grausame Medienreaktionen, die zeigen, WIE intolerant die Gesellschaft teilweise leider noch ist.“
Also: In Sachen Intoleranz Europas sind sich alle einig. Es muss was gemacht werden und Conchitas Auftritt war nicht nur ein Statement, sondern auch ein Hinweis (auch im Hinblick auf die danach aufkommenden Medienreaktionen), DASS durchaus noch Diskriminierung besteht. Als letztes wollten wir noch wissen, inwiefern Diskriminierung die Kultur beeinflusst. Evanesca zeigt uns einen interessanten Fakt auf:
„(...)In Japan, wo das traditionelle Rollenbild stark verankert ist, gibt es dennoch eine geradezu unüberschaubare Palette an Mangas und Animes mit gleichgeschlechtlichen Paaren - das Verbotene und Unterdrückte scheint doppelt reizvoll. Das ist eine interessante Entwicklung... "
Da bin ich ganz ihrer Meinung und hoffe, dass wir in Zukunft mehr Entwicklungen zu diesem Thema beobachten können.
Ich bedanke mich für die rege Beteiligung! Leider konnte ich nicht alle Meinungen und Aussagen berücksichtigen und habe daher versucht, sie zusammenzufassen.
Wenn ihr trotzdem noch etwas ganz wichtiges zu dem Thema oder allgemein zur Diskriminierung zu sagen habt, sollt ihr euch natürlich eingeladen fühlen Kommentare hier zu lassen.
Liebe Grüße
Leandra
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